Archive for Oktober, 2009

Zukunftsangst – Jugendliche unter Erfolgsdruck

Posted in Gesellschaft on Oktober 27th, 2009 by Gheed – Be the first to comment

Letzte Woche war ich auf Geschäftsreise und hatte im Zug viel Zeit. Da habe ich mal die Folge CRE135 vom Chaosradio Express mit dem Thema “Mut zur Freiheit” gezogen und mir zu Gemüte geführt. Die Gäste waren Ilija Trojanow und Juli Zeh, die zusammen das Buch Angriff auf die Freiheit: Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte (Amazon Link) geschrieben haben. Dort geht es allgemein um das Thema Sicherheitswahn und seine Auswirkungen auf die Menschen.

Besonders interessant finde ich die Analyse der Angstatmosphäre die heute vielfach unter Jugendlichen herrscht. Juli Zeh sagt dort, dass sie immer wieder erstaunt sei, wie viel Furcht selbst Abiturienten aus bürgerlichen Kreisen davor haben keinen Ausbildungs- oder Studienplatz und danach keinen guten Job zu finden. Dieser Druck der hinter den Ängsten steht, fängt ja schon in der Grundschule an, wo die Eltern mit aller Macht dafür sorgen, dass ihre Kinder auf das Gymnasium kommen. Also schon sehr früh wird Kindern eingebläut, dass sie erfolgreich sein müssen, da sie sonst keine Zukunft in unserer Gesellschaft haben.

Ich habe selber vor kurzem mit einem Jungen Pirat gesprochen, der mich nach meiner Entscheidung eine Ausbildung zu machen befragt hat, da er sich momentan selber viele Gedanken um seine Zukunft und die Berufswahl macht. Er ist vielleicht grade mal 14 Jahre alt. In dem Alter habe ich mir meine ersten Gedanken darum gemacht ein Schülerpraktikum zu finden, aber ein zentrales Thema war es nicht.

In unserer Gesellschaft gibt es seit einigen Jahren einen starken Trend dazu Jugendlichen einzureden, dass sie unbedingt so schnell wie möglich zum Abschluss kommen, im Studium Auslandserfahrung sammeln und danach in eine Praktikumsschleife müssen um überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Die schlimmste Angst ist natürlich keine Ausbildung zu finden und in Hartz 4 zu enden. Klar das Risiko existiert, aber ist für Abiturienten und auch Realschüler eher minimal. Doch der Druck wird meinem Gefühl nach immer heftiger. Gerade mit G8, also Abitur nach 12 Jahren Schule, verstärkt sich das Ganze immer mehr.

Prinzipiell habe ich ja nichts gegen einen gewissen Leistungsgedanken, aber dieser hohe Druck führt zu vielen Problemen. Angefangen damit, dass schlechte Noten zu einer starken Abwertung des eigenen Selbstwertgefühls führen können, bis zu einer so starken Frustration, die sich in Gewalt-, und Alkoholexzessen entladen kann. Vielleicht sollte man sich dann auch mal fragen, ob die Abwanderung viele Jugendlicher aus der realen Welt in künstliche Welten, wie z.B. in Online-Rollenspiele, nicht vor allem daran liegt, dass im “Real Life” einfach zu wenig Perspektiven aufgezeigt werden und man sich die Erfolgserlebnisse eben dort holt.

Politik und Wirtschaft sollten aufhören der Jugend Angst vor der Zukunft zu machen und sich stattdessen mal darum kümmern, dass Chancen geschaffen und aufgezeigt werden.

Digital Natives – Eine Generation von Computerfreaks?

Posted in Gesellschaft on Oktober 8th, 2009 by Gheed – 1 Comment

Seit einiger Zeit bemerke ich immer häufiger Begriffe wie “Digital Natives”, “Generation C64″ oder der Marketingbegriff  von Vodafone, die “Generation Upload”. Der Begriff “Generation C64″ wurde durch den Spiegel-Artikel von Christian Stöcker geprägt und beschreibt damit die Generation der heute 15-35 jährigen die mit Computern und später mit dem Internet aufgewachsen sind. “Digital Natives” stammt aus verschiedenen Artikeln von Marc Prensky (genaueres bei Wikipedia) aus dem Jahr 2001. Nach Prensky wachsen die Kinder heute mit digitalen Medien auf und werden dadurch komplett anders sozialisiert. Sie würden Informationen anders verarbeiten, wären multitaskingfähiger und funktionierten am besten, wenn sie vernetzt sind.

Nun stellt Jörg Wittkewitz mit seinem Artikel “Digital Natives – Gibt es überhaupt eine Generation Internet?” die berechtigte Frage danach, wer diese Generation überhaupt sein soll und ob man so pauschal von einer ganzen Generation sprechen kann. Seine Behauptung lautet:

Digital Natives sind jetzt genauso normal wie Punks in den 80ern – Das Individuum macht den Unterschied

Sprich: Es gibt Menschen die im Netz aufgewachsen sind und rundum digital leben, aber sie sind eine Randgruppe.

Meiner Ansicht nach kann man mittlerweile durchaus von einer digitalen Generation sprechen. Allerdings würde ich der Begriffsdefinition von Prensky widersprechen. Die heutige Jugend wächst zwar wie selbstverständlich mit digitalen Medien wie Internet, MP3′s und Computerspielen auf, doch hat das wirklich einen so gravierenden Einfluss auf eine ganze Generation?

So können die meisten zwar im Internet surfen, Emails schreiben oder benutzen Instant Messenger, aber sind sie dadurch wirklich so viel anders als unsere Eltern mit Briefen und Telefon? Ich finde man kann nicht pauschal sagen, dass eine ganze Generation perfekt mit den neuen Medien umgehen kann. Menschen sind zu unterschiedlich um einer ganze Generation gewisse Fähigkeiten zu unterstellen. So kenne ich in meinem Bekanntenkreis kaum jemanden, der sich mit Blogs, Twitter oder ähnlichem beschäftigt. Ich kenne auch keinen, der bei Wikipedia mitarbeitet, mich selbst eingeschlossen. Einige sind natürlich in Foren unterwegs und fast alle auf Social Network Plattforem unterwegs, aber was tun sie dort? Sie kommunizieren mit anderen, tauschen sich aus, erzählen sich Klatsch und Tratsch, dank StudiVZ und Facebook haben wir ja auch immer die neusten Partypeinlichkeiten im Netz. Ist das jetzt ein Fortschritt?

Wir wachsen in einer anderen Welt auf als unsere Eltern, klar. Und in unserer Generation ist das Verständnis für das Internet und seine Möglichkeiten weiter verbreitet, aber ich bezweifle, dass sich dadurch unsere Denkmuster und Art Informationen zu verarbeiten so extrem ändert. Wir nutzen die Möglichkeiten vielfach, können effizienter arbeiten, Gruppen bilden (siehe Piratenpartei) oder uns austauschen, aber das Mediennutzungsverhalten hat sich bei vielen nicht geändert. Sie nutzen das Netz wie einen Fernseher: Browser an und konsumieren.

Nur weil wir jetzt mit dem Internet und seinen Möglichkeiten aufwachsen, heißt das nicht, dass alle es in gleicher Art und Weise nutzen und verstehen. Jörg Wittkewitz hat das richtig erkannt: Der Mensch ist ein Individuum. So können wir Nerds weiterhin stolz darauf sein, dass wir die wahren Versteher dieser schönen neuen Welt sind ;)