Bildung

Islamischer Religionsunterricht und der latente Rassimus in der deutschen Gesellschaft

Posted in Bildung, Integration on August 30th, 2009 by Gheed – 1 Comment

Am Wochenende hatte ich eine sehr interessante Diskussion zum Thema islamischer Religionsunterricht in Schulen. Im Verlauf des Gesprächs drehte sich letztenendes alles um die Akzeptanz der islamischen Religion in unserer Gesellschaft.

In unseren Großstädten ist der Islam heute die größte Religionsgemeinschaft nach dem Christentum. Es gibt Schulen an denen mittlerweile mehr als 50% der Schüler einen Migrationshintergrund haben, viele davon aus muslimischen Ländern. Doch das Angebot an Religionsunterricht besteht immernoch aus Evangelisch, Katholisch oder Ethik, bzw. Philosophie. Seit Jahren wünschen sich Vertreter des islamischen Gemeinden, dass auch ihre Religion an Schulen unterrichtet wird. Doch von Politik und weiten Teilen der Gesellschaft wird dies abgelehnt. Die Begründungen dazu verengen sich meist auf folgende Punkte:

  • Eine Einführung würde die Abschottung der Muslime verstärken
  • Wenn islamischen Religionsunterricht, dann auch für alle anderen Religionen
  • Deutschland ist ein christliches Land und man will keine Islamisierung

Zum ersten Punkt: Meiner Meinung nach findet diese Abschottung sowieso statt. Die islamische Religion begegnet in Deutschland eine starke Ablehnung. Viele Bürger wehren sich gegen Moscheen in ihren Städten und man beäugt Muslime mit Misstrauen, vor allem wegen des islamischen Fundamentalismus. Der Islam wird meist als rückständige, archaische Religion betrachtet, die nicht in die Moderne passt. read more »

Beurteilungen im Bildungssystem – über die Notwendigkeit von Noten in der Schule

Posted in Bildung, Politik on August 20th, 2009 by Gheed – 1 Comment

Sören schreibt im Geheimblog über seine Sicht zum Thema Schulnoten, dass er sie komplett ablehnt und sich eine Schule ohne Benotung wünscht. Seiner Meinung nach dienen Noten alleine dazu Menschen in Schubladen zu kategorisieren, damit die Wirtschaft eine Bewertungsgrundlage zum aussortieren hat. Das Thema kommt jedes Jahr, meist zur Zeugnisvergabe, wieder in die Medien und ist auch regelmäßig Inhalt pädagogischer Studien. Eine interessante Übersicht und eine Sammlung von Links zu Studien findet sich übrigens bei Wikipedia.

Die meistgehörte Begründung für Noten ist die Gewöhnung von Schülern an den Leistungsdruck unserer Gesellschaft. Menschen denken meist in Kategorien und Hierarchien (Ein Erbe der Sippenstruktur der Steinzeit). Schon im Kindergarten schaffen Kinder von sich aus eine Rangordnung und bilden Gruppen mit einem Anführer. Die betrifft sowohl Jungs als auch Mädchen. Nun sollen Noten in der Schule helfen Leistungen zu unterscheiden.

Sören schreibt dazu:

Auch wird von den Noten Befürwortern oft gesagt, dass Menschen einen Vergleich brauchen. Sie wollen Besser sein als Andere und ziehen dafür die Noten heran. (Nur so nebenbei, ist das überhaupt erwünschenswert das sich Schüler schon ab der  3.Klasse über andere stellen wollen und die Lehrer dieses noch Unterstützenmüssen?). Nun mein Frage an all diese, wenn ihr euch mit anderen in anderen Lebenslagen und Aufgaben vergleicht, denkt ihr da auch in Noten? „Du mein Nachbar bekommt auf seinen Rasen nur eine 3, ich eine 2“.

Tatsächlich benoten sich Menschen nicht dauernd nach diesem Schema, aber trotzdem findet ein Vergleich, mit “besser” oder “schlechter” statt. Bewertungen und Leistungsvergleiche sind elementare Bestandteile unseres Lebens. Wir vergleichen dauernd Produkte oder Leistungen im Sport oder in Spielen. Und natürlich vergleichen wir uns auch untereinander. Daher kommt ja auch die Aufmerksamkeit die viele Prominente oder Reiche erhalten. Wir beneiden Menschen die großes Leisten oder einfach in irgendeinem Bereich besser sind als wir. read more »

spickmich.de erringt Sieg vor dem BGH

Posted in Bildung, Politik on Juni 23rd, 2009 by Gheed – 1 Comment

Das Lehrerbewertungsportal spickmich.de hat heute vor dem Bundesgerichtshof einen bedeutenden Sieg errungen. Hintergrund des Ganzen ist die Klage einer Lehrerin, die sich in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt fühlte und der Ansicht war, dass Datenschutzrichtlinien nicht beachtet wurden. Die Klage wurde bereits vom LG und OLG Köln abgwiesen, da diese das Recht auf freie Meinungsäußerung als vorrangig ansahen.

Der BGH teilt diese Ansicht und ist zusätzlich der Meinung, dass es bei den Bewertungen durch die Schüler nicht um persönliche Abgriffe handelt (dagegen gehen die Betreiber der Seite auch vor), sondern um eine Bewertung der beruflichen Leistungen von Lehrern. Der Deutsche Philologenverband kritisiert das Urteil massiv und hofft auf das Bundesverfassungsgericht.

Für mich ist dieses Urteil ein großer Schritt für die Schüler, die mit spickmich.de ein Instrument haben um Lehrern mal zu zeigen was es heißt bewertet zu werden. Als Schüler ist es selbstverständlich, dass man auf Gedeih und Verderb den Benotungen durch Lehrer ausgesetzt ist und damit der zukünftige Lebensweg gefördert oder behindert wird. Die wenigsten Schüler haben die Möglichkeit Kritik an ihrern Lehrern zu üben, ohne dabei mit Konsequenzen für ihr Zeugnis rechnen zu müssen.

Trotzdem ist spickmich.de keine Lösung eines grundsätzlichen Problems an Schulen: der fehlenden Emanzipation von Schülern und Lehrern. Die Seite kann vielleicht helfen Frust bei Schülern abzubauen oder wünschenswerterweise sogar konstruktive Kritik zu äußern. Auch hilft es vielleicht dem ein oder anderen Lehrer herauszufinden, was seine Schüler wirklich von ihm denken. Ich würde mir allerdings wünschen dieser Dialog fände an den Schulen selber statt. Dazu müssen Schüler natürlich zu selbstbestimmten Individuen erzogen werden, die sich trauen ihre Lehrer zu kritisieren. Aber auch viele Lehrer müssen lernen Kritik aufzunehmen und auch umzusetzen.

In unseren Schulen fehlt es einfach an gelebter Demokratie. Die Schülervertretung war an meiner Schule eher machtlos und die Klassensprecher profitierten nur von ein paar SV-Stunden, was einfach nur Unterricht schwänzen war. Vor allem im Bewusstsein vieler Schüler wird die SV nicht ernst genommen. Doch damit diese überhaupt beachtet werden kann benötigt diese mehr Einflussmöglichkeiten. Mir fallen dazu Dinge, wie ein von den Schülern betriebener Kiosk, zahlreiche AGs, Sportkurse und andere Möglichkeiten ein, damit Schüler sich auch mit ihrer Schule identifizieren. Die Schule muss zum Lebensraum werden, an dem man sich wohlfühlen kann und Spaß hat hinzugehen. Doch dafür müssen einige Lehrer endlich einsehen, dass Schüler auch Menschen sind und die gleichen Rechte haben. Diese Überlegungen führen für mich zwangläufig zur Ganztagsschule. Doch für eine flächenmäßge Umsetzung dieses Schulmodell fehlt hierzulande die Bereitschaft der Politik auch die notwendigen Gelder zur Verfügung zu stelle.

Fazit des Ganzen: Meinungsfreiheit steht über der Kritikunfähigkeit von Lehrern. Ein Webportal kann aber nicht den Dialog zwischen Schülern und Lehrern ersetzen.