Der Spiegel und das "Netz ohne Gesetz"
Posted in Netzpolitik, Politik on August 20th, 2009 by Gheed – Be the first to commentWie viele von euch mitbekommen haben, hat der Spiegel in der Ausgabe 33/2009 das Internet zu seinem Titelthema gemacht. Der Artikel selber wird von Thomas Knüwer von Indiskretion Ehrensache treffend zusamengefasst:
Tausend Fragen rasen nach wiederholter Lektüre durch meinen Kopf. Die wichtigste lautet: “HÄH?”
Und auch mir ging es so. Nach anfänglichem “Naja mal wieder Angst vor dem Netz verbreiten” hat der Artikel über viele Umwege die richtigen Fragen gestellt. Wie ändert das Netz unseren Umgang miteinander, was wird aus dem Netz und natürlich wie kann man eine sinnvolle Regulation des Internet schaffen? Die Spiegelredakteure wissen darauf keine Antwort, aber sie bringen diese wichtigen Fragen zumindest mal an ein größeres Publikum. Was allerdings nach Lektüre des Textes hängen bleibt, sind doch eher die negativen Seiten, die das Internet angeblich hat.
Natürlich gibt es “Schmuddelecken” auch im Netz, das ist kaum zu übersehen. Es gibt Gewalt, Pornographie, Chats und Foren für jede wie auch immer geartete Neigung. Das wird jedem Konservativen die Wut ins Gesicht treiben. Doch gibt es diese Orte nicht auch in der Wirklichkeit? Ist das Internet nicht ein Spiegelbild unserer realen Welt, sind es nicht normale Menschen die sich dort bewegen, unsere Freunde, Nachbarn, Kollegen? Warum ist dann im Internet angeblich alles schlimmer als in der realen Welt?
Die Offenheit des Netzes
Es gibt überall Nachfrage nach Inhalten, die gegen gängige Tabus verstoßen. Dazu gehören natürlich z.B. sexuelle Praktiken, Gewaltdarstellung und vieles Mehr, was wir in der realen Welt aus Scham eher wenig suchen würden. Und wo eine Nachfrage da gibt es immer jemanden, der ein Angebot dazu bietet um ein Geschäft zu machen. Wir müssen uns nicht mehr schämen, weil wir ja mehr oder weniger Anonym sind.
Dazu kommt die Grenzenlosigkeit des Internets. Wir können alle Inhalte konsumieren, wann und auch wo wir wollen. Mit dem berühmten “Web 2.0″ bekommen wir nun auch Einblicke in das Leben von Menschen, von denen wir sonst nichts mitbekommen hätten. StudiVZ, Facebook, Wer-kennt-Wen, Flickr und wie sie alle heißen, zeigen uns viel von anderen Menschen, ihrer Persönlichkeit, zeigen uns Bilder aus ihrem Leben, ihrem Alltag. Und der Mensch ist Voyeur. Wenn ich sehe wie viele, die ich kenne, ihren Ex-Freunden/innen in Social Networks hinterherschnüffeln und die Bilder des/der Neuen weiterschicken um darüber tratschen zu können bestätigt das diese Annahme immer wieder. Menschen sind im Netz offener als sie es draußen sind. Ob und wie viel jemand von sich darstellen will, bleibt ihm aber immernoch selbst überlassen. Man sollte nur wissen was man tut und welche Gefahren es gibt. Wer nichts veröffentlichen will, der muss das nicht. read more »