spickmich.de erringt Sieg vor dem BGH

Das Lehrerbewertungsportal spickmich.de hat heute vor dem Bundesgerichtshof einen bedeutenden Sieg errungen. Hintergrund des Ganzen ist die Klage einer Lehrerin, die sich in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt fühlte und der Ansicht war, dass Datenschutzrichtlinien nicht beachtet wurden. Die Klage wurde bereits vom LG und OLG Köln abgwiesen, da diese das Recht auf freie Meinungsäußerung als vorrangig ansahen.

Der BGH teilt diese Ansicht und ist zusätzlich der Meinung, dass es bei den Bewertungen durch die Schüler nicht um persönliche Abgriffe handelt (dagegen gehen die Betreiber der Seite auch vor), sondern um eine Bewertung der beruflichen Leistungen von Lehrern. Der Deutsche Philologenverband kritisiert das Urteil massiv und hofft auf das Bundesverfassungsgericht.

Für mich ist dieses Urteil ein großer Schritt für die Schüler, die mit spickmich.de ein Instrument haben um Lehrern mal zu zeigen was es heißt bewertet zu werden. Als Schüler ist es selbstverständlich, dass man auf Gedeih und Verderb den Benotungen durch Lehrer ausgesetzt ist und damit der zukünftige Lebensweg gefördert oder behindert wird. Die wenigsten Schüler haben die Möglichkeit Kritik an ihrern Lehrern zu üben, ohne dabei mit Konsequenzen für ihr Zeugnis rechnen zu müssen.

Trotzdem ist spickmich.de keine Lösung eines grundsätzlichen Problems an Schulen: der fehlenden Emanzipation von Schülern und Lehrern. Die Seite kann vielleicht helfen Frust bei Schülern abzubauen oder wünschenswerterweise sogar konstruktive Kritik zu äußern. Auch hilft es vielleicht dem ein oder anderen Lehrer herauszufinden, was seine Schüler wirklich von ihm denken. Ich würde mir allerdings wünschen dieser Dialog fände an den Schulen selber statt. Dazu müssen Schüler natürlich zu selbstbestimmten Individuen erzogen werden, die sich trauen ihre Lehrer zu kritisieren. Aber auch viele Lehrer müssen lernen Kritik aufzunehmen und auch umzusetzen.

In unseren Schulen fehlt es einfach an gelebter Demokratie. Die Schülervertretung war an meiner Schule eher machtlos und die Klassensprecher profitierten nur von ein paar SV-Stunden, was einfach nur Unterricht schwänzen war. Vor allem im Bewusstsein vieler Schüler wird die SV nicht ernst genommen. Doch damit diese überhaupt beachtet werden kann benötigt diese mehr Einflussmöglichkeiten. Mir fallen dazu Dinge, wie ein von den Schülern betriebener Kiosk, zahlreiche AGs, Sportkurse und andere Möglichkeiten ein, damit Schüler sich auch mit ihrer Schule identifizieren. Die Schule muss zum Lebensraum werden, an dem man sich wohlfühlen kann und Spaß hat hinzugehen. Doch dafür müssen einige Lehrer endlich einsehen, dass Schüler auch Menschen sind und die gleichen Rechte haben. Diese Überlegungen führen für mich zwangläufig zur Ganztagsschule. Doch für eine flächenmäßge Umsetzung dieses Schulmodell fehlt hierzulande die Bereitschaft der Politik auch die notwendigen Gelder zur Verfügung zu stelle.

Fazit des Ganzen: Meinungsfreiheit steht über der Kritikunfähigkeit von Lehrern. Ein Webportal kann aber nicht den Dialog zwischen Schülern und Lehrern ersetzen.

  1. [...] Schüler Ihre Lehrer wieder benoten. Es gibt nun mal gute und weniger gute Lehrer – beliebte und unbeliebte Pauker. Dass das  nun öffentlich bekannt wird müssen diese nicht fürchten, aber [...]

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